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Samstag, 14. Januar 2012

Die Ehrlichkeit

aus: Das Buch der Lebensgeister von Ruth J.Gendler

Die Ehrlichkeit ist der am stärksten verletzliche Mensch, dem ich je begegnet bin. Sie ist einfach und liebevoll. Sie lebt in einer Kleinstadt auf einer Klippe unweit des Strandes. Ich hatte vergessen, wie viele Sterne am Mitternachtshimmel stehen, bis ich eine Woche mit ihr in ihrem Haus am Meer verbrachte.
Früher hatte ich Angst vor vielen Dingen, vor allem vor der Höhe und vor der Dunkelheit. Wenn ich irgendwohin gefahren wäre, wo ich mich nicht auskannte, so hätten mir die Strassen dort Angst gemacht. Da ich wusste, dass ich auf dem Weg zu ihr war, war die Angst geringer. In ihrer Gegenwart wird die Dunkelheit gross, tief und tröstend. Sie sagt, wenn du völlig verletzbar bist, kannst du nicht verletzt werden.

Sonntag, 18. September 2011

Die sehenden Füsse

Dieses Posting widme ich meinen Füssen und allen Menschen, die sich schon einmal an den Füssen verletzt haben. Mögen wir achtsam sein auf unsere Schritte. May we feel the touch of the feet on the ground.
Wie oft hatte ich als Kind aufgeschlagene Knie vom wilden Herumtoben oder von Stürzen beim Rollschuhfahren, ein surrendes Schienbein, einen verstauchten Knöchel in Sandalen mit Plateausohlen, einen Bienenstachel in der Fussohle, aufgeschürfte Zehenkuppen vom rauhen Betonboden im Schwimmbad, Druckstellen von enggeschnallten Skischuhen. Was Füsse alles erzählen könnten! Doch auch Wonnegeschichten, das Kitzeln von taufrischem Gras, das Rieseln von Sand zwischen den Zehen, die zarte Berührung von liebenden Händen, wärmende Socken gestrickt von einer Freundin.
Vor ziemlich genau 7 Jahren habe ich mich auf den Weg gemacht mit meinem Hund Putter und einem Rucksack. Bin den Strahlen der Jakobsmuschel von Sevilla nach Santiago de Compostela gefolgt und habe dabei Schritt für Schritt gelernt auf meine Füsse zu achten und ihnen zu vertrauen. Gute, bequeme Schuhe waren mir immer wichtig. Dafür hat mein Vater, der Schuhmacher, gesorgt. Wie konnte er fluchen über billige Plastikschuhe, die kaum zu reparieren sind. Und welche Bewunderung hatte er für rahmengenähte Schuhe mit Brandsohlen aus Leder.
Am liebsten aber bin ich barfuss, spüre die Erde an meiner Haut. Eigentlich erzähle ich das alles nur, weil ich heute im Liegestuhl das Buch "Der Ruf der Grossmutter" von Rosina-Fawzia Al-Rawi wieder einmal aufschlug. Ein wunderbares Buch über Bauchtanz.
Al-Rawi schreibt, wie sie mit ihren Füssen sehen lernte:
Wenn ich die Treppen unseres Hauses hinunterging, richtete ich immerfort meinen Blick auf die Stufen, um nicht zu fallen. Als mich meine Grossmutter einmal dabei beobachtete, sagte sie: "Lass deine Füsse für dich sehen, sie schützen dich vor dem Sturz viel besser als deine Augen! Taste dich mit den Zehen bis zu einer Stufenkante vor und gleite mit deiner Ferse entlang ihrer Wand hinunter zur nächsten. Setze dich in deine Mitte, in den Bereich unter deinem Nabel, und halte deinen Kopf aufrecht!"
Das machte Spass, und ich war tagelang damit beschäftigt, als Königin die Treppen hinauf und hinunter zu gehen. Dabei spürte ich, wie meine Füsse immer besser "sehen" konnten, wie die Sohlen immer aufmerksamer wurden, wie sie ein jedes Mal sinnlicher und sensibler reagierten, wie mein Vertrauen in sie wuchs und mein Gleichgewicht sich in den unteren Teil meines Körpers verlagerte.


Folge deinem Herzen mit der Kraft aus dem Bauch und finde A-BUN-DANCE.

Samstag, 1. Januar 2011

Das Orakel

Gewähre Deinem Denken Flügel
der Phantasie und des Gefühls -
doch sei ihre Herrscherin und Begleiterin
auf dem Flug:

So kommen weder sie noch Du
durch allzu dünne Höhenluft
in Atemnot - oder zu unverhofftem
Sturz und Fall.

aus "Das Buch der Wirklichkeit" von Norbert A.Eichler

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Des Grossen ÜBERGEWICHT


verzweifelt über 1000 nichtigkeiten
liegt sie da
zusammengerollt auf ihrem luxusbett
der blick
tränenverschleiert entrückt
hebt sich zum bücherbrett
wandert von rücken zu rücken
bis I GING
DAS BUCH VOM LEBEN
da steht alles drin

Montag, 1. November 2010

Teatime - neu inspiriert


Less than half a mile from the last houses, to the south, the Almonda, for that is the name of my village's river, meets the Tejo, which (or, if you'll allow me, whom) it used to help, in times past and as far as its limited volume would allow, to flood the fields when the clouds unleashed the torrential winter rains, and the dams upstream, brimful and bursting, were obliged to discharge the excess of accumulated water.
small memory of José Saramago, who died this year on June 18

Mittwoch, 2. September 2009

Lunchlektüre zur Freiheit

Allein zuhause. Nur ab und zu kommt ein Arbeiter und leiht den Schlüssel zur Werkstatt, um ein Werkzeug oder Material zu holen. Und Kater Möhrli will miauend sein Mittagessen, eine Handvoll Whiskas Bröckli. Sonst Ruhe. Nach einer Schale Salat mit Couscous setze ich mich auf die Yogamatte und schlage wieder mal "Die fünf Pfeiler der Weisheit" von Thich Nhat Hanh auf. Da schreibt Christopher Reed über die 5 Richtlinien:

Wenn wir in unserem Leben nach Freiheit suchen, denken wir oft an "Freiheit von" statt an "Freiheit zu". Die Idee der Freiheit ist heute nachgerade zu einer kulturellen Besessenheit geworden. Wir reden von politischer Freiheit, wirtschaftlicher Freiheit, Religionsfreiheit, Redefreiheit, Meinungsfreiheit... In unserem angestrengten Versuch, Freiheit zu gewinnen, gilt unser Augenmerk gewöhnlich dem, was uns einschränkt. Wir haben keine wirkliche Vision davon, wie Freiheit eigentlich aussieht. Wir nehmen an, das zu bekommen, was wir uns wünschen, und das loszuwerden, was wir nicht wollen, würde uns glücklich machen. Wir bemühen uns, alles zu beseitigen, was uns im Weg steht. Und das oft, ohne uns über die Konsequenzen unseres Vorgehens Gedanken zu machen. Wir reagieren hypersensibel auf alles, was unsere Freiheit einzuschränken droht. Die 10 Gebote, so haben wir gehört, sind das Geschenk eines zornigen Gottes, der keine Widerrede duldet. Die Enge hierarchischer Denkstrukturen und institutionalisierter Autorität ist das kontinuierliche Erbe dieses Geschenks. Der Schatten, der uns begleitet, ist die Manifestation unseres sehnsüchtigen Verlangens, diese Vorschriften los zu sein. Während wir versuchen, Freiheit zu finden, indem wir tun, was wir wollen, laufen wir Gefahr, alles zu verlieren. Gibt es einen Weg zwischen Schwelgen und Kasteien?
Wir können die Welt nicht reparieren, wir können nicht einmal unser eigenes Leben reparieren. Indem wir das Versagen akzeptieren, bekräftigen wir unsere Bereitschaft, immer und immer wieder von vorn anzufangen. Indem wir das Versagen akzeptieren, ändern wir uns, erneuern uns, passen uns an, hören zu und wachsen. Nur wenn wir üben, ohne Erfolg zu erwarten, können wir uns der Welt öffnen, dem Leid und der Freude. Welch unerhörter Mut liegt darin, den Verlust des Sicheren, Bekannten zugunsten des Unsicheren, Unbekannten zu riskieren: das, was Du zu beherrschen glaubst, zugunsten Deiner wahren Fähigkeiten aufs Spiel zu setzen! Welche Freiheit - nicht immer alles richtig machen zu müssen, nicht auf den Erfolg hin leben zu müssen! Indem wir uns dem Versagen öffnen, öffnen wir uns der Grösse des Unbekannten, nehmen bedingungslos teil, erneuern unser Leben.


Nach 5 Tagen Schnupfen, "die Nase voll haben", bin ich wieder am Gesunden.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Emotionen

Im Moment fahren meine Gefühle Achterbahn.
Mal schau ich zu, mal fahr ich mit.
Mal heul ich, mal lach ich.
Mal such ich Trost, mal wüte ich.
Mal aus mir raus, mal in mich rein.

Gerade gelesen, kopiert und verschenkt: Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken von Allan und Barbara Pease. Jetzt ein bisschen mehr Verständnis für mich selber und andere hormonell beeinflusste Wesen.

Und noch mehr Weisheiten bei Regina Brett gefunden.

Bin froh und dankbar, nicht allein Achterbahn fahren zu müssen.

Samstag, 21. Juni 2008

Das goldene Notizbuch

Es ist 3 Uhr morgens. Seit etwa 2 Stunden kann ich nicht mehr schlafen. Ich spuere meinen Bauch. Etwas liegt schwer darin und gleichzeitig fuehle ich mich hungrig, spuere ein Loch im Bauch. Ich esse eine Banane um das Loch zu fuellen und mache heisses Wasser. Meine Sicht ist etwas verschwommen. Aber schreiben geht gut. Gedanken ueber den gestrigen Abend kreisen durch den Kopf. Soviel wurde gesprochen ueber Wein, welcher Wein wie schmeckt, wie teuer ist, wie angebaut wird, wann und wo getrunken wurde und vielleicht auch warum. Weingeschichten. Ich schaffe es, auf Alkohol zu verzichten, aber esse eine Wurst und trinke Kaffee, bzw. Espresso aus der Maschine und Pulver, wer weiss woher. Es ist so einfach gemaess meinen Prinzipien zu verurteilen. Ja, was sind meine Prinzipien, die Fallbeile, unter die ich das Verhalten anderer Menschen lege? Ihnen kann ich auf die Spur kommen. Nur lokale Produkte verwenden. Menschenarbeit statt Maschinenarbeit. Kein Alkohol. Kein Fleisch. Und dann ist da ein perfekter Schweizer Haushalt in Bali. Gastfreundschaft, die ich geniesse. Ich versuche zu verstehen. Das Dukkha zu sehen. Die Ursache davon. Dann durchstoebere ich das Buechergestell und stosse auf Doris Lessing's Goldenes Notizbuch. In irgendeinem Blog hatte ich Zitate daraus gelesen, wahrscheinlich bei Else. Sie hatten mich beruehrt. Ich frage, ob ich das Buch ausleihen darf. Ja, aber Wiedersehen macht Freude.
Ich lese das 20 Seiten lange Vorwort. Die Struktur und der Ausblick interessieren mich. Das Buch selber hat fast 800 Seiten. Ich fasse Mut. Doch nach ein paar Seiten kapituliere ich mit dem Satz: Mich interessiert nicht die Befreiung der Frau, sondern meine eigene Befreiung aus meinem eigenen Gefaengnis. Noch ein paar mal schlage ich das Buch irgendwo auf und lese ein paar Zeilen. Davon sind mir diese 3 Saetze bemerkenswert:

Warum habe ich immer dieses schreckliche Beduerfnis, andere Leute dazu zu bringen, die Dinge so zu sehen, wie ich sie sehe? Das ist wirklich kindisch. Worauf es hinauslaeuft, ist, dass ich Angst habe, mit dem, was ich fuehle, allein zu sein.

Ich war bei den Medizinmaennern, um jetzt zu wissen, dass keiner mir etwas antut - ich tue es mir selber an.

Ich war erstaunt darueber, wieviele weibliche Rollen ich in meinem Leben nicht gespielt habe, zu spielen abgelehnt habe oder wieviele mir nicht angeboten wurden. Selbst im Schlaf wusste ich, dass ich verurteilt war, sie jetzt zu spielen, weil ich sie in meinem Leben abgelehnt hatte.

Samstag, 24. Mai 2008

Kennedys Hirn


Das ist der Titel, den Henning Mankell dem Buch gab, das ich gerade fertig gelesen habe.
Oft finde ich in Büchern Teile von mir, Sätze, in denen ich mich wiederfinde. Solche Sätze zu finden, ist ein grosser Trost. Es zeigt mir, dass es zumindest einen Menschen gibt, dem ich nicht gänzlich fremd bin, dem ein Teil von meinem innersten Wesen bekannt ist. Oder interpretiere ich das nur in den Text hinein? Ich trete einen Schritt beiseite und schau mich an.

Das ist Evelyn Käser am Abend des 21.Mai 2008. Sie blickt von weit oben über die Nordküste von Bali. Eine Symphonie aus balinesischem Zeremonien-Singsang, Grillengezirpe, Geckogekeckere und Glucksen einer offenen Wasserleitung dringt in ihr Ohr. Kater Möhrli schläft warm auf ihrem linken Oberschenkel. Sie spürt ihre Sitzbeinhöcker auf den Latten des Bambusstuhls. Am linken Sitzbein hat sich ein Knötchen gebildet. Vielleicht vom täglichen Meditieren im Halblotussitz. Wenn sie in den Spiegel schaut, lächelt sie sich an. Die Cambio Jeans, die sie von ihrer Schwester vor Jahren geschenkt erhielt, sitzt immer noch knackig über dem Po. Nie hat ein Kind an ihren Brüsten gesaugt. Ihr Kopf ruht schwer in ihrer Hand. Vielleicht wird einmal eine Runzel davon erzählen.
Sie hat soeben das Buch von Henning Mankell fertig gelesen. Darüber möchte sie schreiben. Über die Wirklichkeit des Lesens.
Wie das Buch zu ihr gekommen ist.
Wann sie es zum ersten Mal aufgeschlagen hat.
Wie sie gleich von den ersten Sätzen betroffen war.

Die Katastrophe kam im Herbst und brach ohne Vorwarnung über sie herein. Sie warf keine Schatten. Sie bewegte sich vollkommen lautlos. Zu keinem Zeitpunkt hatte sie eine Vorstellung davon, was geschah.

Wie sie aus ihrer Wirklichkeit in die Geschichte flüchtete.
Wie sie darin immer wieder Teile ihres eigenen Lebens fand.
Und wie sie das tröstete und beruhigte.
Wie es den Panzer ihres selbstkonstruierten Gefängnisses durchbrach.
Wie sie an ihre Freundin in Portugal dachte, als sie las:

Ein rostiger Nagel, der ihr direkt in den Fuss gedrungen war, nicht in den, an dem sie sich gerade geschnitten hatte, sondern in den anderen, den rechten. Sie war 5 oder 6 Jahre alt gewesen, der braune Nagel war ihr direkt in die Ferse gedrungen, hatte die Haut und das Fleisch durchstossen, als wäre sie aufgespiesst von einem Pfahl. Sie hatte vor Entsetzen hemmungslos geschrien und gedacht, dass sie jetzt die gleichen Qualen erlebte wie der Mann am Kreuz da vorn in der Kirche, in der sie manchmal irhe einsamen Gruselspiele spielte.

Ihre Zeit auf Anguilla, einer Karibikinsel, fällt ihr wieder ein bei den Worten:

Auf Inseln versucht nur ein Narr, etwas geheimzuhalten.

Sie beschliesst das Buch noch einmal zu lesen und darin nach den Scherben ihres Lebens zu graben. Es ist ein neuer Versuch, das Geheimnis ihres Lebens zu lüften, während auf der Baustelle keine 50m von ihr entfernt schon die Fundamente ihres neuen Heims liegen.

Freitag, 26. Oktober 2007

Temporäre Zustände

Fühle mich wie ein Vogel im Käfig. Am Verkümmern. Nicht einmal mehr fähig zu träumen. Kaum mehr Kraft ans Ausfliegen zu denken, geschweige denn Auszufliegen. Und doch schleppe ich mich irgendwie ins Café Wawee. Cappuccino kommt und Chocolate Silk Pie. Ersatzbefriedigung. Ersatzfreude. Was ersetzt es? Den Zustand der Verkümmerung und Verzweiflung? der Vernachlässigung? der mangelnden Zuwendung? der Abfüllung mit fremden Lebensgeschichten? Um mich Lachen. In mir? Ich beobachte. Leere das Gift auf das weisse Blatt vor mir. Lasse die Wörter herausfliessen. Und die schwarze Kaffeebrühe in mich hineinfliessen. Die Kuchenbackfantasiererei und -kopiererei der Thais kennt keine Grenzen. Chocolate Silk Pie. Schokopudding auf Mürbeteig. Silk. Seide. Silkworm, Verlagshaus der Mekong Press, an dem ich vorbeigekommen bin. Sydefädeli, die ich in diesem Zustand nicht berühren will. Aggression brodelt vor sich hin. Wut auf den Nächstbesten, der stundenlang am Computer sitzen kann. Nur die Finger und Augen in Bewegung. Und irgendwie unberührt, unbeschadet bleibt von dem, was mir auf den Geist geht, was ich für Zeit- und Lebenverschwendung halte. Das Lachen kommt aus Mündern mit Zahnspangen. Woher kommen all die deformierten Gebisse? Soll das Lächeln mit Zahnspangen perfektioniert werden? Bösartige Gedanken. Die Büchse der Pandora. Dampf ablassen, bevor der Druck zu gross wird.

Wenn man völlig frei von Zersplitterung und Anhaften ist, wird man verstehen, dass alle Dinge, seien sie nun rein oder unrein, nur relatives Dasein haben. Man wisse also, dass alle Dinge in der Welt von Anfang an weder Materie, noch Geist, noch Verstand, noch Bewusstsein, noch Nichtsein, noch Sein sind; sie sind überhaupt unerklärbar. Der Grund, warum der Thathagata sich trotzdem bemüht, durch Worte und Definitionen zu belehren, liegt in seiner guten, ja ausgezeichneten Geschicklichkeit. Nur provisorisch macht er Gebrauch von Worten und Definitionen, um alle Lebewesen zu leiten, während es seine wirkliche Absicht ist, sie zu veranlassen, den Symbolismus aufzugeben und in die reale Wirklichkeit einzutreten. Denn wenn sie sich an Vernunftschlüssen erfreuen, sich der Sophisterei ergeben und damit ihre subjektive Individualität fördern, wie könnten sie die wahre Weisheit haben und Nirvana erlangen.
Aus dem tibetanischen Totenbuch

Samstag, 15. September 2007

Mouches Volantes

Interessant! Vor einigen Monaten, als ich meine Augenübungen am Moskitonetz im Baan Ketava intensivierte, entdeckte ich plötzlich eine lustige Erscheinung. Sie schien in meinem Auge zu schwimmen, hatte immer die gleiche Form, wie eine Art Einzeller oder Geisseltierchen und versuchte sich aus dem Staub zu machen, sobald ich sie genauer betrachten wollte. Da sich vor Jahren mal Herpesviren auf meiner Hornhaut getummelt hatten und mir die Augenärztin damals versprach, dass diese immer wieder kommen und kleine Narben hinterlassen würden, dachte ich, ok, da sind sie also, die Narben. Welch ein Erstaunen, als ich nun im Internet auf einer Surftour von Nicola Tesla über Verschwörungstheorien auf Floco Tausin und sein Buch Mouches Volantes stosse:

Zurück in meiner gewohnten Umgebung aber, wo alles seine rationale Erklärung hatte und haben musste, verflüchtigten sich meine Vorsätze und Einsichten schnell einmal. Ich musste wissen, was es wirklich war, das sich da vor meinen Augen hin- und herbewegte und das ich anstarren sollte – um eventuelle Risiken auszuschliessen.
Ich liess daher meine Augen von einem Augenarzt untersuchen. Der beruhigte mich und teilte mir mit, dass es sich bei diesen Trübungen um abgesonderte Teilchen im Glaskörper handle. Er nannte sie mouches volantes, ein lästiges und weit verbreitetes, aber harmloses Phänomen. Behandelbar sei es nicht, ich müsse lernen, damit zu leben. Er riet mir, am besten gar nicht darauf zu achten.