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Montag, 2. Januar 2012

Neubeginn - immer wieder

Ich atme ein - ich komme an.
Ich atme aus - ich bin zuhaus.



Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit und Anteilnahme. Ich wünsch Euch viel Freude und inneres Wachstum auf Eurem Weg durch das Jahr 2012.

Thank you for your attention and compassion. I wish you joy and inner growth on your path through the year 2012.

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Out of Retreat

Vom 12. bis 25.Dezember zog ich mich ins Wat Kow Tahm zurück, um meine Energie ganz nach innen zu richten und meinen Geist weiter in Mitgefühl und Weisheit zu entwickeln, das Leiden in der Welt zu mindern und inneren Frieden zu finden. Die folgenden Augenblicke habe ich auf meiner Heimreise von Koh Phangan nach Bali festgehalten, um sie mit Dir zu teilen und mich selber wieder daran zu erinnern.
25.12., 9.15am: Ich verlasse das Wat. Kann mit Felix nach Thong Sala fahren. Sitze ans Wasser bis ich weiss, wohin ich will. Zuerst zum Vertrauten. Frage im Hotel Thong Sala, wo ich die Nacht vor dem Retreat verbrachte, nach einem Zimmer. Das Zimmer kostet jetzt 1000 Baht statt 850. Begierde. Ich gehe kommentarlos. Im Thong Sala Guesthouse erkennt mich die Besitzerin wieder und bietet mir das Zimmer für 2 Nächte für 500 Baht an. Noch dazu ein helles, luftiges, sauberes Zimmer mit Aussicht zum Hafen. Welche Freude über diese Grosszügigkeit.
26.12., 6pm: Ich treffe Aparna wieder und wir teilen uns eine Pizza und Geschichten aus unserem Leben.
27.12., 7am: Die Autofähre von Thong Sala nach Donsak legt ab. Ich lasse mich von den stampfenden Schiffsmotoren vibrieren und mein Oberkörper wiegt sich im sanften Rhythmus der Wellen.
27.12., 10.30am: Die Fähre legt in Donsak an. Ich steige um in den Bus nach Surat Thani.
27.12., 11.30am: Der Bus hält in Surat Thani vor einem Reisebüro, wo der Boss dirigiert. Ich verpasse das Taxi zum Bus nach Hat Yai. Ein Motorradfahrer nimmt mich mit. Ohne Helm.
27.12., 12am: Die Angestellte im Busbüro prüft meinen Pass. OVERSTAY! Das Visum ist vor 2 Tagen abgelaufen. Bei Einreise per Bus oder Bahn gibt es nur 2 Wochen Aufenthaltsfrist. Hatte ich bei der Einreise bemerkt, aber gedacht, 2 Tage seien kein Problem. Einfach 500 Baht pro Tag Overstay bezahlen. That's it. Falsch gedacht. Wrong view! Die Busse nehmen keine Passagiere mit Overstay mit, da das Prozedere an der Grenze zu lange dauert und dann alle warten müssen, erklärt mir die Angestellte. Andere Busse und der Zug seien ausgebucht, da Hochsaison. Aber für 9000 Baht könne sie alles arrangieren. Ich schlucke leer, für die ganze Reise nach Kuala Lumpur hatte ich nur 1440 Baht bezahlt. OK, mein Fehler, kostet halt was. Der Motorradfahrer bringt mich zur nächsten ATM (automatic teller machine).
27.12., 1pm: Ein ziemlich voller Minibus kommt. Ein Platz ist noch frei und wer sitzt daneben? Aparna, auf dem Visarun nach Penang. Freudiges Wiedersehen und meine Erlösung von einem Hungerast. Aparna teilt ihre Kartoffelchips mit mir. So gut haben sie mir noch nie geschmeckt. Zur linken von mir sitzt ein Italiener, der sich ärgert, weil der Minibus noch eine Runde durch Surat Thani dreht, um noch 2 weitere Fahrgäste aufzunehmen.
27.12., ca. 6pm: Der Minibus kommt in Hat Yai an und bringt mich zum nächsten Busbüro. Es dauert noch eine halbe Stunde bis der Bus nach Kuala Lumpur losfährt. Die nette Lady schickt mich zum Chinesen um die Ecke, wo es Nudelsuppe gibt. Zum Abschied schenkt sie mir noch süsse Krapfen. Dann bringt mich ihr Partner im schwarzen Mercedes zur Busstation, wo die Check-In Prozedur schon im Gange ist. Ich werde auf Sitz 2C am Fenster platziert. Neben mir eine junge Touristin, die lieber einen Einzelsitz gehabt hätte. You don't always get what you want! Die Sitze sind bequem und lassen sich in Liegestellung klappen.
27.12., 9pm: Grenzübergang Sadao. Alle müssen aussteigen. Ich habe Glück. Im Office bin ich die erste und kann gleich meinen Overstay bezahlen. Dann stelle ich mich in die Schlange zu den anderen Ausreisenden. Bin nicht mal die letzte, die wieder in den Bus steigt. Wofür die 9000 Baht? Wahrscheinlich hat da jemand meine Situation ausgenutzt. Ich lerne, Visumregeln sollte man befolgen, sonst wird's teuer.
28.12., 5am: Ankunft am Puduraya Busterminal in Kuala Lumpur. Ein Taxifahrer quatscht mich dumm an. Ich gebe ihm ein paar gescheite Antworten und warte, bis die öffentlichen Verkehrsmittel den Betrieb aufnehmen. Ich deponiere meinen Rucksack in KL Sentral und frühstücke dann indisch im Teh Tarik Place gegenüber. Ich liebe es, das Erwachen in Grossstädten zu beobachten. Als es hektisch wird, ziehe ich mich unter die Bäume im KLCC Park auf eine Bank zurück. Eine Gruppe Mönche lässt ihre Blicke den Hochhäusern entlang nach oben wandern, die Köpfe neigen sich in den Nacken, während die Münder Ohhh's formen.
28.12., 10am: Ich vergesse Zeit und Raum im Kinokuniya. Meine Hände betasten jede Agenda bis ich eine finde, die sich gut anfühlt, nicht zu dick, nicht zu dünn, nicht zu gross, nicht zu klein, nicht zu hart, nicht zu weich... Bücher wandern in meine Hände und wieder zurück... Joel Henriques' Buch Made to play...Ideen für den Englisch-Unterricht meiner Nachbarskinder...John Medina's Buch brain rules... Leo Babauta's The power of less... bis schliesslich Oliver Sacks' The mind's eye bleibt und mich zu Cappucino und Carrot Cake begleitet.
28.12., 4pm: Quinoa-Salat und Carrot-Orange Juice in Bangsar Village.
28.12., 6pm: Bus von KL Sentral zum Flughafen LCCT
28.12., 7pm: Ich schliesse die Tür von Zimmer 402 im Tune Hotel hinter mir und dusche mir die Grossstadt-Hektik vom Leib.
29.12., 8am: Check-In zum Flug nach Denpasar. White Coffee aus Ipoh und Tuna Toast zum Frühstück.
29.12., 9.25am: Take-off

the past is gone, the future uncertain
the present moment is the only place to live

looking back with gratitude

in the focus: selfimages. be aware of idealistic views.

the more flexible you are the more easy you can flow with life and enJOY

Stupa at Wat Kow Tahm

rooster in the monks area of Wat Kow Tahm

life is so fragile

young trees need special care and support

observing the breath like the waves...some are short, some are long...

keep practicing...no effort is lost!

cooperation instead of competition

announcing the groom...

letting go...

sabai sabai...the thai way to make oneself comfortable

resting hands of my neighbour in the bus to Surat Thani

no doubts

temple of capitalism

indulging in worldly pleasures at Kinokuniya Book Store

Montag, 8. März 2010

Ein Blick nach Innen

steht in meinem Horoskop gültig ab 5. März 2010 bis Anfang April 2010:

Jetzt sind Sie auf Ihr intimstes persönliches Leben und die Menschen konzentriert, die Sie am meisten beeinflussen - Familie und Eltern. Sie spüren das Bedürfnis, sich im Kreise der Familie aufzuhalten und sind froh, daß Sie eine Lebensmitte und solide Basis für Ihre Aktivitäten besitzen. Auch wenn Sie den Anforderungen der äußeren Welt weiterhin nachkommen müssen, weil das Leben ja mit diesen verzahnt ist, sollte das Hauptinteresse doch nach innen gewendet sein. Falls nötig, sollten Sie sich von der Welt zurückziehen und Ihre Zeit in Kontemplation oder Meditation verbringen. Geschehnisse der Vergangenheit, die Sie noch immer beeinflussen, können in Form von Erinnerungen oder Nachwirkungen in Ihnen aufsteigen. Jetzt können Sie sich einem anderen Menschen anvertrauen.

Ich staune immer wieder, wie gut mein Horoskop zu meinem Leben passt. Ich bin am Koffer packen. Morgen geht's los Richtung Thailand hierhin zur Meditation und dann zur Familie.
Ja, Ihr Lieben, ich komme bald!

Freitag, 1. Januar 2010

Happy New Year

Dhamma-Familie im Wat Kow Tahm

Was ist mir wirklich wichtig im Leben? Wofür will ich meine Energie und meine Zeit einsetzen? Was macht mir Freude und womit kann ich andern Freude bereiten?
Im Moment freue ich mich über all die guten Wünsche und liebevollen emails, die in meinem Postfach angekommen sind. DANKE!

Montag, 22. Juni 2009

Mae Chee Ahmon

Geistige Mutter im Wat Kow Tahm...

...und einige ihrer Kinder

Der Juni Newsletter aus dem Wat Kow Tahm erinnert mich wieder, weiter meinen Weg zu gehen, das, was ich gelernt habe, anzuwenden und dabei weiter zu lernen, zu wachsen. Immer wieder aufzustehen, wenn ich gestolpert bin, wenn ich mich niedergeschlagen, lächerlich, hilflos, lustlos, wertlos, ängstlich, dumm, verzweifelt, überheblich, arrogant, unfähig, feige, verwirrt, egoistisch, wütend, rachsüchtig, eifersüchtig, neidisch fühle. Es sind nur Gefühle, die kommen und wieder gehen. Mücken, aus denen man keine Elefanten machen sollte.

Dienstag, 14. April 2009

Bleiben


Ich bleibe auf der Baustelle. Möge der folgende Text alle Menschen im Stress ermutigen.

Die zentrale Frage auf dem Weg zu innerem Frieden und Weisheit ist nicht, wie vermeide ich Unsicherheit und Furcht, sondern wie verhalte ich mich bei Unbehagen und Stress? Wie gehe ich mit Schwierigkeiten, mit meinen Emotionen, mit den unvorhersehbaren Ereignissen im Alltag um? Wer Wahrhaftigkeit sucht, für den sind unbehagliche Gefühle wie Signalflaggen, die sagen, hier hängst du fest. Wir können Enttäuschung, Verlegenheit, Verwirrung, Eifersucht und Furcht als Situationen betrachten, die uns zeigen, wo wir etwas verbergen und wie wir uns verschliessen. Diese unbequemen Gefühle sind eine Botschaft, aufzuwachen und sich die Situation anzuschauen, statt zusammenzubrechen und davonzurennen.
Wenn die Signalflagge hochgeht, haben wir die Gelegenheit: wir können bei unserem unangenehmen Gefühl bleiben statt zu reagieren oder zu flüchten. Indem wir einfach bleiben, lernen wir uns selber besser kennen, ertappen uns sanft, wie wir es zulassen, dass unser Ärger sich in Beschuldigungen, Rechtfertigungen und Distanzierung verhärtet. Oder wie wir versuchen, die unangenehmen Gefühle zu übertünchen, indem wir uns irgendwelche Geschichten zur Erleichterung einreden. Einfach gesagt, bis sie dann hochgeht, die Signalflagge!
Normalerweise übernehmen dann unsere gewohnheitsmässigen Verhaltensmuster das Steuer. Wir unterbrechen sie höchst selten. Mit ein bisschen Übung und Achtsamkeit allerdings können wir lernen, beim gebrochenen Herz, der namenlosen Furcht oder dem Wunsch nach Rache zu bleiben, ohne zu reagieren. Wir wissen nicht, was dann passiert und es gibt nur einen Weg es herauszufinden: es zu wagen. Nur so können wir lernen, mitten im Chaos ruhig zu bleiben, nicht auszuflippen, wenn uns der Teppich unter den Füssen weggezogen wird.


Übersetzt aus Pema Chödrön's Buch Comfortable with Uncertainty, The wisdom of no escape

Sonntag, 9. November 2008

Wat Umong

I am of the nature to decay
I am not beyond decay

I am of the nature to disease
I am not beyond disease

I am of the nature to die
I am not beyond death

All things mine, dear and delightful
shall vanish and change

Whatsoever the results of my
thoughts, speech and deeds will be
thereof I will be the heir





Mittwoch, 30. Juli 2008

Von Matte zu Matte Teil 3

Himmel über Chiang Mai heute

Zuhause auf der eigenen Tatamimatte

Chinatown lädt ein zum Frühstück

Aufforderung zur Gehmeditation

Mit dem Nachtzug in Bangkok Hua Lampong angekommen ...

Nach dem Retreat: Moskitonetze gewaschen und aufgehängt

Auf Little Bell hören ...

Einfaches Leben ...

Achtsame Schritte im Wat Kow Tahm ...

Auch Ebbe kann interessant sein: Seegurken-Kolonie entdeckt!

So friedlich der Strand am Morgen, dann kommen die bissigen Hunde ...

Auf eigenen Füssen unterwegs ...

Auf eigenen Füssen unterwegs ...

Auf eigenen Füssen unterwegs ...

Auf der Fähre, im Hintergrund Wegweiser

Es dämmert beim Warten auf die Fähre nach Koh Phangan ...

Mittwoch, 16. Juli 2008

Von Matte zu Matte Teil 2

Heute morgen nach dem Fruehstueck in Thong Sala. Den Cappuccino, zu dem ich mich von einer sympathischen Englaenderin in einem schicken Cafe verfuehren liess, habe ich verschuettet. Wollte ja auch gar keinen mehr trinken.
Gestern morgen halbwach am Strand spaziert und dann von einem aggressiven Hunderudel sehr ploetzlich in die Wirklichkeit gebellt worden. Hitze macht mir zu schaffen. Liege 2 Stunden schweisslahm im Bett und lasse mich vom Ventilator anpusten.
Die Reiseagentur, wo ich das Zugticket nach Bangkok bestellt habe, ist geschlossen. Dafuer begegne ich in Thong Sala voellig unerwartet der Griechin, die mit mir den ersten Retreat gemacht hat. Freudiges Wiedersehen. Bei gruenem Curry und Lime Juice erzaehlen wir uns unsere Erlebnisse. Draussen entlaedt sich die dicke, schwarze Wolke und macht Platz fuer den zunehmenden Mond. Beim Abschiednehmen stellen wir fest, dass unsere Bungalows fast in Rufweite liegen. Handy ueberfluessig. Will den Tag nutzen bevor ich wieder die Schwelle zum Schweigen ueberquere. Massieren lassen. Schreiben. Haare waschen lassen. Reden. Zuhoeren. Schwimmen. Laufen.
"ACTIVATE YOUR POTENTIAL" las ich auf dem Ruecken eines Mitpassagiers beim Warten im Flughafen Ngurah Rai. Daran arbeite ich die naechsten 10 Tage auf einer Meditationsmatte hier.
Selamat Jalan! Gute Reise!

Montag, 16. Juni 2008

Ahaaaaa!


Vor einigen Tagen habe ich die Aussicht nach Java bewundert. In der klaren Morgenluft waren 3 Vulkankegel am Horizont zu sehen. Per Zufall fiel mein Blick auch auf die Baumkronen im Vordergrund und entdeckte dabei 3 zylinderfoermige Holzbehaelter, die da baumelten. Da ging mir ploetzlich ein Licht auf. Das mussten die Bienenkoerbe sein, die ich schon lange gesucht hatte und nirgends entdecken konnte. weil ich nach Koerben oder Kisten Ausschau gehalten hatte, die auf dem Boden stehen und so aussehen, wie ich sie von der Schweiz und Portugal her kannte. Als meine Nachbarin Sri mich vor einer Weile informierte, dass die Bienenkoerbe jetzt fertig seien und fragte, wo sie aufgestellt werden sollten, kam ich nicht auf die Idee, dass sie mit aufstellen auch aufhaengen meinen koennte, obwohl sie gleichzeitig noch nach einem Seil gefragt hatte.

Wie oft sind meine Wahrnehmungen, Ansichten und Meinungen ueber die Dinge nicht zutreffend?

Wenn ich irgendetwas denke, wie oft denke ich dann nur das, was ich denken will, und nehme die Dinge durch die Brille meiner alten Konditionierung wahr?

Wie oft haben mich meine Ansichten, Wahrnehmungen und Meinungen daran gehindert, offen zu sein, zu lernen und zu wachsen?

Dienstag, 6. November 2007

Nicht-Anhaften

Viele Menschen missverstehen das Wort Nicht-Anhaften. Sie haben das Gefühl, dass Nicht-Anhaften mit Gleichgültigkeit einhergeht. Aber Nicht-Anhaften bedeutet nicht fehlende Fürsorglichkeit. Tatsächlich hilft uns Nicht-Anhaften eine selbstlosere Qualität von Fürsorglichkeit zu entwickeln.
Nicht-Anhaften bedeutet zu verstehen, dass wir einen anderen Menschen nicht "besitzen" und die Naturgesetze nicht ändern können. Wir verstehen, dass "mein Vater, meine Mutter", "mein Liebster, meine Liebste", "mein Freund, meine Freundin" nur herkömmliche Ausdrucksweisen sind, dass wir in Wirklichkeit Reisegefährten und -gefährtinnen sind, im Geborenwerden, im Leben, im Altern und im Tod.
Wir kommen für kurze Zeit zusammen, für einen kurzen "Tanz". Das ist alles - ein kurzer Tanz im Leben. Können wir darauf hinarbeiten, dass jener kurze Tanz von höchstem Wohl für uns selbst und andere ist, voll von mitfühlendem Verständnis? Und wenn der Tanz vorüber ist, wenn wir Abschied nehmen und unserer Bestimmung entsprechend weiterwandern müssen, können wir Zufriedenheit empfinden, dass wir so behutsam, fürsorglich und achtsam getanzt haben, wie es uns möglich war, mit allem Verständnis, das uns in dieser Zeit zur Verfügung stand.

Worte von Rosemary und Steve Weissman

Sonntag, 4. November 2007

Selbstbilder

Ich wirke heute morgen wie "bschtellt und nöd abghollt", sagt mein Spiegel. Draussen Temperatursturz. Drinnen desorientiert. Wildes Herumtasten nach Wärmendem-Nicht-Zu-Warmem im Kleiderschrank. Duvet triumphierend aus dem Bettkasten unter der Matratze hervorgefischt. Über mein Selbstbild reflektiert.

Aus: Der verborgene Diamant von Steve und Rosemary Weissman

Viel von dem Selbstbildnis, das wir erschaffen, liebgewinnen, zu beschützen versuchen, verteidigen, projizieren oder hinter dem wir uns verstecken, hat mit dem Wechselspiel der acht weltlichen dhammas zu tun. Was tun wir da? Eine Menge Energie in dieser Welt ist dem Versuch gewidmet, Lob, Glück, Gewinn und Beachtung zu erlangen und Tadel, Schmerz, Verlust und Nicht-Beachtung zu vermeiden. Viele Menschen bauen ihren Erfolg und ihr Selbstbild darauf, Lob, Gewinn, Glück und Beachtung zu bekommen, und ihr negatives Selbstbild bauen sie auf die Begegnung mit Tadel, Verlust, Schmerz und Nicht-Beachtung - beides sowohl innerlich wie auch von aussen herangetragen.

Ist es weise, ein Selbstbild zu erschaffen, das vollständig vom Lob und Tadel anderer abhängt? Wie reagiere ich auf Lob und Tadel? Werde ich von Lob angeregt und hinweggerissen und nähre meinen Hochmut? Oder fühle ich mich bei Tadel niedergeschlagen, zornig und abgewiesen? Bin ich auf Lob und die Abwesenheit von Tadel angewiesen, damit ich mit mir selber einverstanden sein kann? Ist das wirklich ein Indikator für meinen wahren Wert?

Wie eine Süchtige öffne ich jeden Morgen mein Blog und lechze nach einem Kommentar. Ist einer da, steigt mein Stimmungsbarometer, wenn nicht, sinkt es merklich. Ich beende diese Sucht und schalte die Kommentarfunktion aus. Für Wortwechsel und Gedankenaustausch bin ich ja über email erreichbar.

Hinweis im Wat Umong

Samstag, 3. November 2007

Temporäre Einsicht

Ich bin nicht hier, um die Welt zu verändern,
die Welt ist hier, um mich zu verändern.


Ansonsten dem Regen zugehört und durch den Tag gegammelt.

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Tiegel

Trübe Stimmung draussen. Wie ein Novembertag am Zugersee. Doi Suthep ist von Nebel umwabert. Ein paar Regentropfen küssen mich auf dem Heimweg vom Raan Kaffee Wawee, wo ich die müden, begeisterten, grabenden und am Ende nach oben ausschlagenden AA's mit meinen Mundsprechwerkzeugen geformt habe, so wie es mir meine neue Lehrerin Lah (begeistert ansteigend, dann fallend ausgesprochen) diese Woche vorgemacht hat. Zuhause widme ich mich ganz meinen Fundlingen der letzten Tage. Ein Juhuuuuchzer, Lichtbilder und ein Liebesbrief, alles aus der Algarve, bringt Jubel in mein Herz.
Überraschendes Wiedersehen mit Sara aus dem Wat Kow Tahm. Ich half gerade Anutschit, einem burmesischen Novizen im Wat Umong, einen englischen Text über Generosity richtig auszusprechen und wortmässig zu verstehen, als Sara plötzlich lächelnd dastand. Das Wiedersehen mit ihr wirkte, wie wenn jemand eine Tür, die schon fast zugefallen war, mit einem Ruck wieder aufstiess. Die Tür hinaus in den unbegrenzten Raum der Freiheit. Ein frischer Wind wehte herein, wirbelte alten Staub auf und reicherte alle Zellen mit belebendem Sauerstoff an. Eine weise Freundin am Weg.
Die Yogagruppe mit Carol, Joyce und Noriko im Cafe Pandau ist eine weitere Perle unter meinen Fundlingen. Ich lerne mit den Knochen und Knöchelchen meiner Füsse zu kommunizieren. Bodytalk vom Feinsten!
Im Raan Sukaphaap Aden, dort, wo es den grüngrünen Saft gibt, lag kürzlich ein Prospekt mit dem Titel TianZi Asia. Drin der Hinweis auf Tea from mountain forests und ein neues Tea House in Chiang Mai. Der Prospekt lag einige Tage neben meinem Laptop, bis ich mich gestern mit meinem Liebsten auf die Suche machte. Welch eine Freude wartete da auf uns. Zuoberst auf dem Menu Burdock Bites, die mich sofort interessierten. Burdock, ein Wort, das mir auf Speisekarten und auch sonst noch nie begegnet war. Wir bestellten und machten Bekanntschaft mit lauwarmen, schräg geschnittenen Scheiben einer weisslichen Wurzel. Die Scheiben waren mit Zwiebelwürfelchen besprenkelt und schmeckten säuerlich, süsslich und ganz entfernt nach Rettich. Liebe auf den ersten Biss! Bei Wikipedia fand ich dann heraus, dass Burdock grosse Kletten sind und von Skandinavien bis Portugal bis nach China und Japan als Nahrungs- und Heilmittel bekannt sind. Der Verzweiflungsruf meines Vaters kam mir wieder in den Sinn, wenn wir ihn zu dritt umdrängten: Ihr sind doch Chlette! Ein anderer Schweizer, Georges de Mestral, verzweifelte nicht, sondern schaute sich von der Klette den Klettverschluss ab. Das Leckerli zum Puer Tee möchte ich Euch nicht vorenthalten: getrocknete Cherry Apples! Gemäss meinem Liebsten ein Erlebnis wie Kauen von Löschpapier mit Boskopgeschmack.
Mittlerweile haben sich die Regentropfenküsse in ein unüberhörbares Blechdachgetrommel verwandelt. Welch ein Glück, im Trockenen zu sitzen!

Lichtbild von Inge: Adlerauge ist achtsam

Mittwoch, 12. September 2007

Kisagotami

Seit ich im April in der Algarve gelandet bin, lässt mich das Schicksal der verschwundenen Madeleine McCann und ihrer Familie nicht mehr los. Immer wieder stosse ich irgendwo auf diesen Fall, der in den Medien aufgebauscht und in fette Schlagzeilen zerpflückt wird. Wie gehe ich damit um? Was heisst Mitgefühl in diesem Fall? Was ist wirklich geschehen? Was kann ich daraus lernen?

Bei meinen Lehrern Steve und Rosemary Weissman finde ich diese Geschichte:

Wenn man sagt, Vipassana sei eine einzelne Technik, dann beinhaltet das, dass nur diese Methode gültig ist, und somit beschränkt man das Buddhadhamma auf eine Form. Wenn man das Buddhadhamma beschränkt, dann hindert das den Weisheitsgeist oft daran, schöpferisch zu sein und alle möglichen geschickten Mittel einzusetzen, um bei der Erkenntnis der Wahrheit anzulangen.
Es gibt eine wunderschöne, bekannte Geschichte im Theravada-Buddhismus, die die geschickten Mittel des Buddha illustriert. Es ist die Geschichte einer Frau namens Kisagotami.
Kisagotami wurde in einer armen Familie in Indien geboren. Später hatte sie das Glück, in eine Händlerfamilie einzuheiraten. Zu jener Zeit erntete eine Frau viel Respekt, wenn sie einen Sohn gebar. Kisagotami brachte einen Sohn zur Welt und war sehr glücklich darüber.
Als das Kind etwa 2 Jahre alt war, wurde es beim Spielen im Garten von einer Schlange gebissen und starb. Als Kisagotami ihren Sohn fand, fiel sie von Trauer überwältigt in einen Schockzustand. Sie weigerte sich zu glauben, dass ihr Sohn tot sei. Sie rannte wie besessen durch die Stadt, auf der Suche nach einem Arzt, der ihn heilen konnte. Natürlich konnte da kein Arzt mehr helfen. Trotzdem suchte sie weiter und bat die Leute, jemand möge ihr eine Arznei geben, die ihr Kind heilen konnte. Niemand konnte sie davon überzeugen, dass ihr Kind tot war.
Schliesslich sagen ihr einige, die Mitgefühl für sie hatten, sie solle den Buddha aufsuchen. Vielleicht könne er ihr helfen. Und sie rannte zu dem Park, in dem sich der Buddha aufhielt. Sie legte ihm das Kind zu Füssen und beschwor ihn, ihr zu helfen, das Kind zu heilen.
Der Buddha sh sie mit den Augen des Mitgefühls an und sagte: "Liebe Schwester, es gibt da eine unfehlbare Arznei; ich werde dein Leid heilen. Aber zuerst musst du mir eine Prise Senfsaat bringen, aus irgendeinem Haushalt in der Stadt." Kisagotami war überglücklich, denn Senfsaat ist eine gängige Zutat in den Curries. Der Buddha fügte hinzu: "Es muss allerdings eine besondere Senfsaat sein. Sie muss aus einem Haushalt stammen, in dem noch nie jemand gestorben ist."
Kisagotami verstand die Bedeutung der Worte des Buddha nicht und rannte sofort in die Stadt, auf der Suche nach dieser besonderen Senfsaat. Alle Stadtbewohner hatten Mitgefühl und gaben ihr bereitwillig die Senfsaat, nach der sie so verzweifelt verlangte. Aber immer wenn sie fragte, ob dort schon einmal jemand gestorben war, antworteten sie alle traurig: "Ja." Es war in jener Zeit üblich, dass mehrere Generationen in Grossfamilien zusammenlebten. Einige berichteten vom Tod des Grossvaters, andere vom Tod der Mutter, der Bediensteten, der Geschwister usw.
Gegen Ende des Tages wurde sie müde und begann, die Universalität von Tod und Vergänglichkeit zu verstehen. Sie sah das tote Kind in ihren Armen an und erkannte schliesslich, dass es tot war. Sie legte es auf einem Leichenfeld nieder und kehrte zum Buddha zurück.
Der Buddha fragte sie sanft: "Meine Schwester, auf der Suche nach dem, was niemand findet, hast du die bittere Arznei gefunden, die ich dir geben musste. Der, den du liebtest, schlief gestern tot an deiner Brust. Heute weisst du, dass die ganze grosse Welt mit deinem Schmerz weint.
Wer da durch Kind und Vieh betört und geistig angehangen ist,
den reisset mit sich fort der Tod, gleichwie die Flut ein schlafend Dorf."
Als Kisagotami diese Worte hörte, erlangte sie die erste Stufe der Erleuchtung. Sie trat dem Nonnenorden bei und wurde nach kurzer Zeit vollständig erleuchtet.
Diese Geschichte illustriert auf wunderschöne Weise, dass Kisagotami tiefste Einsicht erlangte, indem sie die Universalität von Tod und Vergänglichkeit verstand, mit der Senfsaat als Auslöser. Es kann hilfreich für dich sein, diese Geschichte im Gedächtnis zu behalten, wenn du andere Lehrer besuchst, die Vipassana vielleicht auf Form und Methode beschränken oder du selber denkst, Vipassana sei auf Form und Methode beschränkt.