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Mittwoch, 21. September 2011

Diebstahl im Dschungel (2)

Reserveleitung

Aufbruch zum Tatort

obere Schnittstelle

untere Schnittstelle mit Verbindungsteil

Tatort beim Erdrutsch

Leitung abrollen


Leitung ziehen

herausgerissene Leitung

gut verwurzelt an ihrem Platz

Einer für alle, alle für einen! 19 Männer aus der Nachbarschaft versammeln sich frühmorgens bei unserem Tor. Bin tief berührt und richtig froh, soviele Männer um mich herum zu haben. Die Absicht ist, die Leitung möglichst schnell wieder zu verbinden, tiefer einzugraben und mit Steinen zu schützen. Zusätzlich soll die grosse Anzahl die Diebe beeindrucken und abschrecken. Ausgerüstet mit Hacken und einer Reismahlzeit ziehen die Männer los. Jeweils 2 Mann tragen die Leitungsrolle aufgespiesst auf eine Bambusstange auf den Schultern. Ich folge mit Fotoapparat zum Aufnehmen des Tatorts. Im Ohr erklingt die Titelmusik. Der Pfad ist schmal und führt alles dem Steilhang entlang über Wurzeln, an Felsbrocken vorbei, durch ausgetrocknete Bachbette, unter umgefallenen Baumstämmen hindurch, auf und ab. Ich versuche mir, den Weg einzuprägen, damit ich ihn alleine wieder zurück finde. Nicht so einfach, denn rückwärts sieht alles anders aus als vorwärts. Drehe mich immer wieder um und halte Ausschau nach markanten Bäumen und anderen Merkmalen. Steil hinauf kraxle ich auf allen vieren, immer wieder testend, ob die sich anbietenden Wurzel- und Astgriffe auch wirklich Halt bieten oder nur morsches Holz sind. Dann endlich, am Tatort. Bin zuerst mal völlig verwirrt, da wir von oben auf die Leitung gestossen sind und nicht von unten. Aber mit der Zeit gelingt es mir, die innere Karte wieder der Wirklichkeit anzupassen. Ich muss mich beeilen mit fotografieren, denn die Männer beginnen gleich mit graben und schon bald kann ich dem frischen Leitungsbett folgen. Beunruhigend ist, dass die Leitung von der unteren Schnittstelle abwärts schon mehrere hundert Meter aus der Erde herausgerissen ist. Die Diebe scheinen wiederkommen zu wollen.
Gegen Mittag führt mich P.Santika bis zu einer Stelle, von wo ich den Heimweg finden sollte. Dann bin ich allein im Dschungel...Stille, Knacken, in mir erwachen meine Schreckgespinnste...volle Konzentration auf den Pfad...Schritt um Schritt...aahhh, da ist sie, die Strasse, die Zivilisation, die eingebildete Sicherheit...
Erstmal die zittrigen Knie beruhigen, ausruhen und was essen!
Gegen ein Uhr sprudelt wieder Wasser aus der Leitung. Gegen 3 Uhr kommen die Männer zurück, zufrieden nach getaner Arbeit. Ich verteile den Tageslohn von 70'000 Rupien.
Später kommt P.Agus mit Sri und wir vereinbaren, dass ich morgen bei der Polsek Sukasada Anzeige erstatte.
Voller Freude bewässere ich den Garten. Wie schnell Wasser für mich ein Thema werden würde, hätte ich nicht gedacht, als ich am Samstag die Vorträge zu diesem Thema via Internet live stream von der IPC 10 in Jordanien mitverfolgte:

Was ist die Geschichte des Platzes?
Was ist die Geschichte des Wassers an diesem Platz?
Und was ist meine Rolle in dieser Geschichte?

Dienstag, 20. September 2011

Diebstahl im Dschungel (1)

Möge ich die Methoden, Techniken und das Handwerkszeug der geistigen Entwicklung noch besser kennenlernen, anwenden und entfalten, damit ich die Herausforderungen und Schwierigkeiten meines Lebens erkennen, verstehen, annehmen und meistern kann.

Bewegung schenkt Freude. Zufrieden mit meinem Spaziergang den Berg hoch und inspiriert von all den Begegnungen nehme ich den Abstieg unter die Füsse. Mein Körper schwingt im Rhythmus der Schritte. Ab und zu ein kleiner Rutscher auf dem Geröll. Ein Motorrad nähert sich von hinten. Ich gebe die Fahrbahn frei, da es abwärts schwierig ist zu bremsen. Der Fahrer hält, wie hier oben üblich, und fragt, woher und wohin des Wegs. Ich antworte und frage zurück. Sein Name ist Gede. Er wohnt in Anturan und ist auf dem Weg zu seiner Familie. Er kommt von Bedugul, wohin er einen Holländer gebracht hat, der Bali zu Fuss durchquert. Er zeigt mir die Liste des Holländers mit den Wegstrecken. Einige sind schon abgehakt, andere noch nicht gegangen. Dann zückt er eine Visitenkarte und überreicht sie mir. Darauf steht: Gede Taman, ORGANISE MAN, What do you need. Telefonnummer und email. Schmunzel.
Noch ahne ich nicht, was sich abseits der Strasse im Dschungel abspielt. Ich schlafe gut und stehe früh auf, damit ich Zeit habe zu erwachen, bis Kadek, Putu und Luh Nik zur Arbeit kommen. Kadek meldet, Wasserleitung defekt. Nichts aussergewöhnliches. Im Dschungel kann immer mal ein stürzender Baum oder Stein die Leitung beschädigen. Putu und Kadek machen sich auf den Weg mit einem Stück Ersatzleitung. Gegen 11.30 Uhr kommen die beiden zurück. Keine Aufregung, aber ihre Mienen lassen mich aufhorchen. Masalah besar (grosses Problem)! Aha, was das wohl bedeuten mag? Eine ganze Rolle, ca. 250m, der Wasserleitung fehlen, abgeschnitten und herausgerissen, GEKLAUT! Ein Wort, das Balinesen selten verwenden. Zuerst heisst es hilang, lari oder pinjam (verschwunden, geflüchtet oder ausgeliehen). Das hatte ich nicht erwartet. Hmmmm?! Makan dulu! Erstmal essen! Dann befrage ich Putu nach den Umständen und der Situation. Wir haben noch genug Leitung für die Reparatur. Ich bitte Putu, genug Leute zu organisieren aus der Nachbarschaft. Die Leitungsreparatur ist das eine, die Verfolgung des oder eher der Diebe das andere. Wem melden? Wie vorgehen? Bitte Freunde und Freundinnen um Rat und finde mitfühlende Ohren. Wie gut es doch tut, das eigene Leid mitteilen zu können. Lange zögere ich, die Polizei zu verständigen. Geschichten über korrupte Beamte und eigene unangenehme Erfahrungen haben noch kein Vertrauen in die hiesige Polizei aufkommen lassen. Nach gutem Zureden meiner Sponsorin überwinde ich mich und erlebe wieder mal eine Überraschung. P.Agus ist sehr geduldig und versucht sich so gut es geht, sogar auf englisch verständlich zu machen. Wir verbleiben so, dass er morgen nachmittag vorbeikommt.

Spaziergang

Wenn ich den Tag zuhause verbringe, beschleicht mich nachmittags oft so ein muffiges Gefühl. Überall Unerledigtes und Angefangenes, das mich vorwurfsvoll anschaut. Die Luft ist feuchtheiss und fühlt sich schwer und stickig an. Die Gedanken drehen zähflüssig ihre Runden. Ich werde innerlich unruhig und suche immer verzweifelter nach Auswegen. Will dieses unangenehme Gefühl loswerden. Kaffee trinken? Ungesund. In den Pool springen? Die Angstellten sind noch da und ich bin zu faul, die Badehose anzuziehen. Ein Bild malen? Ich hab nicht die richtigen Farben und das richtige Papier. Ein Buch lesen? Ja, welches denn? Das ist doch bloss ein Ablenkungsmanöver. Was Süsses essen oder doch lieber was Salziges?
Sitze da und kann mich zu nichts aufraffen, faul und träge, wie ich bin. So ergebe ich mich meinem Schicksal mit der Weisheit, dass alles vergänglich ist, also auch dieses unangenehme Gefühl. Einfach spüren, wie der Atem einfliesst und ausfliesst. Spüren, wie die Füsse den Boden berühren...plötzlich, wie aus dem NICHTS glitzernde Gedankenfunken Füsse, Laufen, ein Spaziergang...YESSSS! Just do it! Ich stehe auf, schliesse alle Fenster und Türen, stecke den Schlüssel in den Hosensack, ziehe meine Sandalen an, nehme den Wanderstock aus Kaffeeholz, der gleich neben dem Tor an der Wand lehnt und schiebe das Tor zur Seite.
Freier Blick auf die Strasse.
Es geht den Berg hoch oder den Berg runter. "Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen", sagt es in mir. Also den Berg hoch. Mit jedem Schritt wird die Muffigkeit leichter und die Gedanken fühlen sich nicht mehr so klebrig und zähflüssig an. Es bewegt sich was! Ich bewege mich, spüre mich, lebe. Freude beginnt sich in mir auszubreiten, Lust an den Schritten, am federnden tock...tock des Wanderstocks, fast wie mein Pilgerstab damals...Ein paar Hunde bellen aus Gärten, dann wird es still. Stille, die summt, raschelt, säuselt...
Am Strassenrand hantiert ein Junge in Schuluniform an seinem Motorrad. Ich murmle ein Hallo und laufe vorbei. Später überholt er mich, wird immer langsamer und hält schliesslich an. Wartet einfach ohne zurückzuschauen. Als ich auf seiner Höhe bin, schaut er mich besorgt an und fragt: "can I help you? there is the jungle." Ich beruhige ihn und unterhalte mich ein wenig. Er fährt jeden Tag die Strasse runter zur Schule und wieder hoch. Wir verabschieden uns lächelnd. Etwas weiter wird die Strasse steiler und der Belag löst sich in Geröll auf. Der Stock gibt mir Halt. Hinter mir höre ich ein Auto. Es ist ein schwarzer Pick-up. Die Reifen drehen durch auf dem Geröll. Ein Mitfahrer steigt aus und klettert auf die Ladefläche. Die Reifen drehen immer noch durch. "Hei, ich habe auch noch 60 Kilos", denke ich und schaue weiter zu. Der Fahrer lässt das Auto etwas rückwärts rollen an eine flachere Stelle und versucht es mit mehr Schwung. Es gelingt! Als der Pick-up auf meiner Höhe ist, rufe ich dem Fahrer ein Kompliment zu und gute Fahrt. Er hält und sagt nur, steig hinten auf. Ich tu's. Mein Ballast-Gefährte bedeutet mir, mich gut festzuhalten. Und dann geht es los mit Karacho über Stock und Stein und Schlaglöcher. In mir quietscht Kinderfreude mit ein paar mütterlichen Ermahnungen. Als die Strasse wieder besser wird, bitte ich um Anhalten. Ich versuche zu erklären, dass ich weiter unten und nicht weiter oben wohne. Erstaunte Blicke und ein Terima kasih. Danke ich auch!

Sonntag, 18. September 2011

Die sehenden Füsse

Dieses Posting widme ich meinen Füssen und allen Menschen, die sich schon einmal an den Füssen verletzt haben. Mögen wir achtsam sein auf unsere Schritte. May we feel the touch of the feet on the ground.
Wie oft hatte ich als Kind aufgeschlagene Knie vom wilden Herumtoben oder von Stürzen beim Rollschuhfahren, ein surrendes Schienbein, einen verstauchten Knöchel in Sandalen mit Plateausohlen, einen Bienenstachel in der Fussohle, aufgeschürfte Zehenkuppen vom rauhen Betonboden im Schwimmbad, Druckstellen von enggeschnallten Skischuhen. Was Füsse alles erzählen könnten! Doch auch Wonnegeschichten, das Kitzeln von taufrischem Gras, das Rieseln von Sand zwischen den Zehen, die zarte Berührung von liebenden Händen, wärmende Socken gestrickt von einer Freundin.
Vor ziemlich genau 7 Jahren habe ich mich auf den Weg gemacht mit meinem Hund Putter und einem Rucksack. Bin den Strahlen der Jakobsmuschel von Sevilla nach Santiago de Compostela gefolgt und habe dabei Schritt für Schritt gelernt auf meine Füsse zu achten und ihnen zu vertrauen. Gute, bequeme Schuhe waren mir immer wichtig. Dafür hat mein Vater, der Schuhmacher, gesorgt. Wie konnte er fluchen über billige Plastikschuhe, die kaum zu reparieren sind. Und welche Bewunderung hatte er für rahmengenähte Schuhe mit Brandsohlen aus Leder.
Am liebsten aber bin ich barfuss, spüre die Erde an meiner Haut. Eigentlich erzähle ich das alles nur, weil ich heute im Liegestuhl das Buch "Der Ruf der Grossmutter" von Rosina-Fawzia Al-Rawi wieder einmal aufschlug. Ein wunderbares Buch über Bauchtanz.
Al-Rawi schreibt, wie sie mit ihren Füssen sehen lernte:
Wenn ich die Treppen unseres Hauses hinunterging, richtete ich immerfort meinen Blick auf die Stufen, um nicht zu fallen. Als mich meine Grossmutter einmal dabei beobachtete, sagte sie: "Lass deine Füsse für dich sehen, sie schützen dich vor dem Sturz viel besser als deine Augen! Taste dich mit den Zehen bis zu einer Stufenkante vor und gleite mit deiner Ferse entlang ihrer Wand hinunter zur nächsten. Setze dich in deine Mitte, in den Bereich unter deinem Nabel, und halte deinen Kopf aufrecht!"
Das machte Spass, und ich war tagelang damit beschäftigt, als Königin die Treppen hinauf und hinunter zu gehen. Dabei spürte ich, wie meine Füsse immer besser "sehen" konnten, wie die Sohlen immer aufmerksamer wurden, wie sie ein jedes Mal sinnlicher und sensibler reagierten, wie mein Vertrauen in sie wuchs und mein Gleichgewicht sich in den unteren Teil meines Körpers verlagerte.


Folge deinem Herzen mit der Kraft aus dem Bauch und finde A-BUN-DANCE.

Sonntag, 26. Juni 2011

Roter Faden

Was hat die vergangene Woche charakterisiert? Welche Energien, welche Themen haben sich durch mein Leben gezogen? Bewegung - Das Ziel liegt im Weg!
Ich suche den roten Faden in meinen Geschichten. Vielleicht findest Du ihn. Ich erzähl einfach mal. Ich beginne mit dem letzten Montag, dem 20.Juni 2011. In meiner Agenda stehen 3 Einträge: 8 Uhr - Arbeiten während Abwesenheit organisieren, 11 Uhr - Vortrag über Stammzellen Ernährung, 15 Uhr - Englischlektion für die Nachbarskinder, vorverschoben.
Und schon melden sich Zweifel, warum ich überhaupt darüber schreiben soll? Aber jeder Moment ist eine Geschichte wert. Aus jedem Moment kann man lernen. Also nochmal von vorn, anders. Wenn mich JEMAND fragen würde, "wie war Deine Woche", und ich spüren würde, dieser JEMAND hat Zeit zum Zuhören und interessiert sich wirklich für meine Geschichte, dann würde ich diesem JEMAND vielleicht folgendes erzählen:
Ich erwachte voller Freude am Montagmorgen, denn der Plan für die Woche sah vielversprechend aus. Um 11 Uhr ein Vortrag im Warung Bambu über Stammzellen Ernährung. Es macht mich einfach glücklich, wenn ich etwas neues lernen kann.
Die Zweifel geben keine Ruhe. Wenn ich so weiterschreibe, wird die Geschichte zu lang. Also, stopp!
Oh wie gern möchte ich so schreiben können, so fliessend wie das Wasser. Aber immer wieder stossen meine Gedanken auf Hindernisse, geraten in Widerwasser und kreisen dann an Ort. Vielleicht müssen da einfach Dinge ausgelotet und geklärt werden, emetokathartisch sozusagen. Neue Wörter machen mir auch Freude. Sie wirken wie paradiesische Lockvögel auf mich, die alles andere verblassen und vergessen lassen. Bereitwillig folge ich ihnen auf der Suche nach ihrem Sinn in die Tiefen des Bedeutungsdschungels im Netz. Da könnte ich ja auch gleich noch nachforschen wie die Pflanze heisst, die gerade hochaufgerichtet in der Kräuterspirale blüht. Nicht zu finden...stattdessen stosse ich bei tropicalplantbook auf stachytarpheta jamaicensis, die ich auch schon mal ohne Erfolg gesucht habe. Sie blüht gerade am südwestlichen Zaun und lockt mit ihren blauen Tupfern Schmetterlinge an. Wenn man ihre Blätter kocht, soll der Sud eben diese emetokathartische Wirkung haben, also Erbrechen und Durchfall gleichzeitig, die totale Reinigung. Das "kathartische" bringt mich weiter zur griechischen Tragödie mit ihrer Katharsis und so lande ich wieder in vertrauteren Gefilden. Versuche eine Brücke zum Playback-Theater zu schlagen. Den roten Faden in meinem Leben zu finden, den roten Faden, den Goethe in seinem Roman "Wahlverwandtschaften" aus den Seilen der britischen Kriegsmarine in Ottiliens Tagebuch eingeflochten hat und den ich jetzt als Etikette für die gebündelten Kräfte, die mein Leben gestalten, verwenden kann. Alles Quatsch oder Karma, das Gesetz von Ursache und Wirkung? Ich spinne. Ich spinne den roten Faden ja selber in jedem Moment meines Lebens, nur weiss ich das nicht immer. Bevor ich jetzt die endlose Geschichte aller meiner Lebensentscheide, die zum jetzigen Moment geführt haben, erzähle, keine Angst, ich tu's nicht, muss ich mich entscheiden, immer diese Entscheide!, wo ich den Faden abschneide. Nein, auch nicht gut, will den Faden ja nicht abschneiden. Nur ein bisschen abwickeln und Dir zeigen. Damit Du ihn berühren kannst. Vielleicht fühlt er sich ja ähnlich an, wie der rote Faden, den Du spinnst.
Also, wie war sie denn jetzt, meine Woche? Im Watsupool bei Renate habe ich einen neuen Zugang zum Wasser und zu mir selber gefunden. Vertrauen, eintauchen, loslassen, sich tragen lassen, sich bewegen lassen...
Und endlich wieder mal am Meer, einatmen und eintauchen in türkisblaues Wasser und einen Atemzug lang eins werden mit dem Meer. Auftauchen. Auf den Rücken drehen, die Augen schliessen und mich ganz den Bewegungen der Wellen hingeben. Vertrauen haben ins Leben. Alle Blockaden und Ängste loslassen. Einige wertvolle Momente lang gelingt's.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Des Grossen ÜBERGEWICHT


verzweifelt über 1000 nichtigkeiten
liegt sie da
zusammengerollt auf ihrem luxusbett
der blick
tränenverschleiert entrückt
hebt sich zum bücherbrett
wandert von rücken zu rücken
bis I GING
DAS BUCH VOM LEBEN
da steht alles drin

Mittwoch, 20. Oktober 2010

bereit zum Abflug

zwischengelandet auf der Spitze des neuen Blattes der Fuchsschwanz-Palme

Kaum eingelebt im neuen Haus, schon muss ich das Land wieder verlassen. Die 6-monatige Visumsfrist läuft am 3.November ab. Zum ersten Mal fliege ich los, weil ich muss, nicht weil ich will und denke an die Menschen, die das Glück haben, in einem Land bleiben zu dürfen, aber auch an die, die ihr Land nicht verlassen können, weil sie weder einen Pass noch ein Flugticket kaufen können. Und die Menschen, die auf der Flucht von einem Land ins andere verfrachtet werden. Dabei sind wir alle Kinder dieser Erde. Aus Angst und Gier bauen wir Mauern, Zäune und Grenzen, die den natürlichen Energiefluss stören. Ach, wie schön, eine Libelle zu sein!

Sonntag, 26. September 2010

Einsamkeit

Langsam beginne ich zu verstehen, dass ich in meiner Welt ganz allein bin und dass es niemanden gibt, der mich und meine Welt so versteht wie ich selber. Denn meine Welt ist so, wie ich sie mir einbilde. Ich schliesse Freundschaft mit meiner Einsamkeit und der Einsamkeit aller Wesen.

Freitag, 4. Juni 2010

Wieder Zuhause auf der Baustelle

immer noch Regenzeit in Bali

Die Reise war lang und intensiv. Die vielen neuen Eindrücke haben die Vertrautheit mit dem Vorher ausgelöscht. Ich bin noch einmal neu in Bali angekommen. Verzweifelt auf der Suche nach Halt, wo mir das neue Zuhause auf dem Silbertablett serviert wurde. Doch das ist schon wieder Schnee von gestern. Das Leben kennt keinen Halt. Sinnlos, sich an etwas zu klammern, was gestern war. Ich spüre wieder Boden unter den Füssen und lasse Löcher graben und Türme fallen auf der Suche nach dem Leck im Swimming Pool.

der Turm ist gefällt

Freitag, 26. Februar 2010

Handwerk

Oh, wie beneide ich sie manchmal, unsere Arbeiter. Den ganzen Tag an einer Arbeit bleiben können ohne sich von Hausarbeiten. Lieferanten, Telefonanrufen etc. ablenken zu lassen.

P.Sui und P.Wardana verlegen Palimanan

Bagler schneidet Fliesen für's Badezimmer

Mr.Karang spritzt die Tür zum Pumpenraum himmelblau

Kadek ist glücklich, endlich Teile der Baustelle wieder bepflanzen zu können.

Mittwoch, 4. November 2009

Verwirrung

Die Luft erzittert von explodierenden Feuerwerkskörpern und Böllerschüssen. So muss es auf dem Schlachtfeld sein. Doch ich befinde mich in einem vermeintlich sicheren Apartment in der 5.Etage in Chiang Mai. Die Thais feiern Loy Kratong mit viel Lärm. Ich tauche ab in meine Schatzkiste, blättere im Nachtzug nach Lissabon:

Und dann las sie Sätze, die in ihr eine betäubende Wirkung entfalteten, denn sie klangen, als seien sie allein für sie geschrieben worden, und nicht nur für sie, sondern für sie jetzt und hier.
Von tausend Erfahrungen, die wir machen, bringen wir höchstens eine zur Sprache, und auch diese bloss zufällig und ohne die Sorgfalt, die sie verdiente. Unter all den stummen Erfahrungen sind diejenigen verborgen, die unserem Leben unbemerkt seine Form, seine Färbung und seine Melodie geben. Wenn wir uns dann, als Archäologen der Seele, diesen Schätzen zuwenden, entdecken wir, wie verwirrend sie sind. Der Gegenstand der Betrachtung weigert sich stillzustehen, die Worte gleiten am Erlebten ab und am Ende stehen lauter Widersprüche auf dem Papier. Lange Zeit habe ich geglaubt, das sei ein Mangel, etwas, das es zu überwinden gelte. Heute denke ich, dass es sich anders verhält: dass die Anerkennung der Verwirrung der Königsweg zum Verständnis dieser vertrauten und doch rätselhaften Erfahrungen ist. Das klingt sonderbar, ja eigentlich absonderlich, ich weiss. Aber seit ich die Sache so sehe, habe ich das Gefühl, das erstemal richtig wach und am Leben zu sein.

Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist - was geschieht mit dem Rest?

Das ist mir grad egal, bin ganz mit dem kleinen Teil beschäftigt!

Dienstag, 6. Oktober 2009

Boules im Handgepaeck

Vor einigen Wochen kam mir die gloriose Idee zwischen Swimming Pool und Haus einen Petanque Court anzulegen. Ein solcher Platz braucht weder Bewässerung, noch muss Rasen geschnitten werden und er kann sowohl zum Spielen, Sonnen im Liegestuhl, wie auch zum Trocknen von Kaffee- und Kakaobohnen und Nelken benutzt werden. Also ganz im Sinne des Permakultur Designs, wo jedes Element mindestens 3 Funktionen haben sollte. Mein Liebster war zuerst etwas skeptisch, hat dann aber schon mal eine Flasche Pastis gekauft und nach Boules Herstellern in Australien geforscht. Alsbald landete dann auch ein email mit Links zu Herstellern verbunden mit einem Beschaffungsauftrag in meiner Mailbox. Und ab ging's zum Permaculture Design Course in Melbourne. Nach einigem Hin und Her von emails und SMS mit Miguel von Australia Boules wurden die Kugeln in ihrem Zipperbag rechtzeitig vor meiner Abreise aus Melbourne ins St.Arnaud Guest House geliefert. Eine Kugel wiegt gut 700g, 8 Stück davon packte ich in meinen Koffer. Dafür kam das dicke Permaculture Design Manual ins Handgepäck in der Hoffnung, dass so der Koffer die 20kg Marke nicht überschritt. Doch die Anzeige am Check-In Schalter pendelte sich auf 23kg ein und Bob von JetStar Airline stellte mich vor die Wahl, entweder 40$ Übergewicht zu bezahlen oder den Koffer zu erleichtern. Ein indonesischer Bauarbeiter muss 8 Tage arbeiten, um soviel Geld zu verdienen. Also packte ich die Kugeln ins Handgepäck und das Manual wieder in den Koffer, was die Anzeige auf unter 20kg brachte. Ich lächelte Bob zufrieden an bis zur nächsten Frage, wann ich denn Bali wieder verlassen würde? Ich: "Am 1.November". Er: "Welche Fluglinie?" Ich: "Air Asia nach Bangkok." Er: "Gut, kann ich das Ticket sehen?" Tja, daran hatte ich natürlich nicht gedacht, dass ich für den Rückflug nach Bali das Flugticket nach Bangkok brauchen würde. Aber kein Problem. Der nächste Internetzugang befindet sich gleich gegenüber im Hilton Hotel auf der 5.Etage. Bob behält meine Boarding Cards und den Koffer hinter dem Schalter und ich eile davon. Jetzt nur nicht in Panik geraten! Nach einigem Herumirren im Flughafen-Parkhaus finde ich den richtigen Lift zur Hilton Hotelrezeption. Eine nette Lady begleitet mich ins Business Center, schaltet Computer und Drucker ein und ich tippe etwas ruhiger Benutzerkennung und Passwort für meine Mailbox ein. Dort liegt im Ordner Reise-Doku die Flugbestätigung für den Bangkok-Flug. Ein paar Klicks und der Drucker zieht rauschend ein weisses Blatt Papier ein und raus kommt meine Flugbestätigung. Geschenk von Hilton! Die Zeit reicht für das restliche Eincheck-Prozedere und so bin ich bald auf dem Weg nach Darwin mit knapp 6kg Boules im Handgepäck. Erkältet und etwas müde freue ich mich auf einen entspannten Zwischenhalt in Darwin. Der Koffer wird von JetStar direkt ins Flugzeug nach Bali umgeladen. Ich nehme den Umweg durch die Eincheck-Schleuse für internationale Flüge. Breite meine Habseligkeiten auf dem Laufband aus: Bauchtasche, Plastikbeutel mit Flüssigkeiten nun nicht mehr über 100ml - Zahnpasta wurde schon in Melbourne konfisziert -, Laptop, Rucksack und Mönchstasche. Ich schreite durch den Metall-DetekTor. Dahinter werfe ich einen Blick auf den Bildschirm des Securitybeamten und sehe meine Boules. Da kommt auch schon misstrauisch die Frage, wem DAS gehört und was DAS sei. Ich zeige und erkläre. "Die Kugeln sind zu schwer!" Damit lässt er mich stehen, bis die Kolonne hinter mir durchleuchtet ist. Die Kugeln dürfen nicht in die Flugzeugkabine, da man damit jemanden erschlagen könnte. Aber ich kann sie am Check-In Schalter als Fragile Item aufgeben. Ok, also aus der Sicherheitszone hinaus, Rolltreppe hinunter in die Abflughalle zum Check-In. Ich erkläre der Lady am Schalter den Fall und überreiche ihr das Zipperbag mit den Kugeln. "Zu klein, das könnte verloren gehen. Sie brauchen eine grössere Tasche." Woher nehmen? Einen Laden mit Taschen gibt es oben in der Abflugzone, wo ich herkomme. Langsam macht sich etwas Ärger breit. Hätte ich bloss 40$ Übergewicht bezahlt! Blöde Security!! Blöde Terroristen!!! Blöde Idee, Petanque Kugeln in Australien zu kaufen!!!! Aber wie immer hatte ich mir die Suppe ja selber eingebrockt mit meiner gloriosen Idee vor ein paar Wochen. Also cool bleiben und die Suppe auslöffeln. Wieder durch die Sicherheitsschleuse, Habseligkeiten ausbreiten, Habseligkeiten einsammeln, Rolltreppe rauf, Laden suchen, passende Tasche auswählen und ab damit zur Kasse. 45$ soll das Stück kosten. Ich greife zum Bauchbeutel und...ins Leere. Adrenalinstoss! Dann die Erinnerung. Tasche an der Kasse lassen. Rolltreppe runter, unter der Abschrankung durch zur Sicherheitsschleuse tauchen, Beutel packen, wieder durch die Sicherheitsschleuse, Rolltreppe hoch, zur Kasse, zahlen, wieder Rolltreppe runter mit Tasche, Zipperbag mit Kugeln an der Sicherheitsschleuse abholen, in die Tasche verpacken, zum Check-In Schalter, Tasche registrieren lassen. Die Tasche bekommt einen rotweissen Aufkleber mit dem Wort FRAGILE und ich den Hinweis, dass ich die Tasche am Schalter für Oversize Gepäck abgeben muss. Also auf zum fröhlichen Suchen des Oversize-Gepäck-Schalters. Dort endlich nimmt mir ein freundlicher Mensch die Last ab. Ahhhhh, 6kg leichter, 45$ und einige Schweisstropfen ärmer. Remember! Bin jetzt im tropischen Darwin und nicht mehr im frühlingsfrischen Melbourne. Ein letztes Mal durch die Sicherheitsschleuse und die Rolltreppe hinauf. Dann lasse ich mich in einen Fauteuil sinken, beisse in einen knackigen Apfel, überdenke die Geschichte und breche in Lachen aus. Ob ich wohl jemals in Bali eine Partie Petanque spielen werde? Welche Komödien und Dramen wir doch immer wieder in unserem Leben spielen.

Montag, 14. September 2009

When things fall apart

If we are willing to give up hope that insecurity and pain can be exterminated, then we can have the courage to relax with the groundlessness of our situation. This is the first step on the path.
by Pema Chödrön


goodbye hope and fear
welcome hopelessness and confidence
goodbye seeking pleasure and avoiding pain
welcome impermanence and change

Sonntag, 28. Juni 2009

Bak Luluk, Pencoran und Plumbing

Bei Putri MW, einem unserer Baumaterial-Lieferanten, habe ich Mörtelwannen (bak luluk) entdeckt. Sie sind aus Recyclingblech, leicht zu transportieren und schonen die Umgebung vor Zementablagerungen. Für nur 215'000 Rp. zu haben.

Kalut mischt Pfludi im bak luluk. Sukir und Putu bedienen die pencoran.

Oben auf der Terrasse wird der Sand zum Verputzen gesiebt. Die groben Bestandteile werden über die pencoran nach unten befördert, wo sie später zum Betonmischen gebraucht werden. Vor Freude am Sandgeriesel hab ich es verpasst, den Sand gleich in der richtigen Menge für eine Mischung in Zementsäcke portionieren zu lassen. Das bedeutet zusätzliche Muskelarbeit für die Arbeiter.

Putu an der Sandrieselrinne (pencoran)

P-Trap im Wartungsschacht zwischen Floor Drains und Septiktank. Sie verhindert, dass Gase und Gerüche aus dem Septiktank ins Haus gelangen. Dank den horizontal montierten Muffen und dem Schacht ist sie leicht zugänglich und kann einfach abgeschraubt und gereinigt werden.


Abwasserrohre und Wasserzuleitungen sind verlegt. Morgen kann der Boden für das Poolhaus gegossen werden.



Ansonsten war heute baufreier Tag, Sonntag, den ich hauptsächlich damit verbrachte, den nächsten Shopping Trip nach Denpasar vorzubereiten. Ok, ein bisschen Yoga und einen Spaziergang hab ich auch noch gemacht und herzhaft mit meinem Schicksal gehadert.

Samstag, 16. Mai 2009

Auf zum Visarun

Meine 180 Tage Aufenthaltsfrist am Stück laufen ab. Ich muss Indonesien verlassen, um ein neues Visum zu beantragen. Zum ersten Mal visiere ich dafür Kuala Lumpur an. Wieder alles neu und anders. Hab Schmetterlinge im Bauch. Dazu noch eine Hochzeitseinladung heute abend. Und loslassen der Baustelle, mit der ich die letzten Wochen zusammengewachsen bin. Brrrrrrhhhhh! Wenn alles wie geplant abläuft, treffe ich morgen meinen Liebsten am Flughafen in Denpasar für ein Plauderstündchen nach wochenlanger Trennung. Ich klammere mich an meinen Stapel Checklisten wie an einen Strohhalm.

Sonntag, 3. Mai 2009

Vergeben

Um den Kreislauf von Stress und Leiden nicht fortzusetzen, den unheilsame Handlungen, Äusserungen oder Gedanken bisher erzeugt haben, müssen wir die Kraft des Vergebens kennen lernen, die Kraft, die darin steckt, Vergebung zu gewähren wie auch um Vergebung zu bitten. Vergeben ist eine heilende Kraft. Jedoch ist die Heilung, die das Vergeben zustande bringt, für viele eine schwierige Angelegenheit, weil sie davon abhängt, wahrhaftig zu sein. Wahrhaftig zu sein erfordert intensives Nachforschen und die Bereitschaft, dass wir uns der Möglichkeit öffnen, etwas falsch gemacht zu haben. Wir müssen uns auch dem Stress und Leid öffnen, das unsere Handlungen, Äusserungen und Gedanken uns selbst und anderen bereitet haben. Wir versuchen also nicht, unser Ego oder Selbstbildnis zu beschützen, zu projizieren oder zu verteidigen.

aus: Der verborgene Diamant von Steve und Rosemary Weissman

Sonntag, 19. April 2009

Angkul-Angkul


Die Besprechung über die Gestaltung des Eingangstores vom letzten Samstag verlief entscheidungslos. Ins Bau-Log habe ich geschrieben: Evelyn weiss nicht, was sie will! --> Exkursion am Sonntag.
Evelyn war auf Exkursion und weiss jetzt, was sie will, wenigstens in bezug auf das Eingangstor: einen Angkul-Angkul, der etwa wie oben aussieht. Angkul-Angkul heissen die traditionellen balinesischen Eingangstore. Sie bestehen aus 2 Hauptsäulen, an die kleinere Säulen angebaut sind, und einem Dach darüber. In den Hauptsäulen befinden sich meistens Nischen für Opfergaben. Das ganze kann noch beliebig verziert sein und vor den Säulen können noch furchterregende oder willkommenheissende Statuen platziert werden.

Am Hafen in Singaraja habe ich noch kurz angehalten und mir angeschaut, was das Meer mit der Uferanlage während der Regenzeit angestellt hat. Zeichen der Vergänglichkeit!

Freitag, 17. April 2009

Schwimmen

memasang lis - Leisten montieren

jemur bedeg - Bambusmatten sonnen

Verschalungen verstreben

So fotogen sah die Baustelle heute morgen noch aus. Die Pooltruppe, Putuh und Sukir alias Kingkong, montierten Bambusstangen im Pool, kreuzweise, damit der Boden frei bleibt zum Betongiessen. Die Helfer begannen damit, die geflochtenen Bambusmatten, die hier Bedeg genannt werden, mit Bürsten und Waschmittel zu schrubben und dann an der Sonne trocknen zu lassen. Und oben auf dem Dach turnten locker die Tukangs herum und machten mit Stechbeiteln Vertiefungen in die Dachsparren, um die Leisten für die Bambusmatten zu montieren. Derweil mir unten der Angstschweiss ausbrach beim Zusehen und Darandenken, was alles passieren könnte. Hab mich dann beruhigt mit dem Gedanken, dass sie das Gerüst ja selber gebaut haben und das nicht zum ersten Mal machen. Kaum beruhigt kam ich in Zugzwang mit den Bambusmatten. Sie sollten ja nicht nur trocknen, sondern auch noch mit Mowilex und Xylamon behandelt werden. Mowilex kannte ich, eine relativ harmlose Substanz zum Holzschutz. Aber Xylamon!? Bahan bahaya = gefährliches Zeug stand auf der Flasche, dazu ein halber Roman auf Indonesisch, in dem ich nur einzelne Worte verstand. Mein erster Impuls, nicht verwenden, ignorieren. Also zuerst Mowilex! Das ist einfach! Aber: wie streiche ich eine 3 mal 4 Meter grosse Bambusmatte mit einfachem Pinsel und normal langen Armen? Die Arbeiter versuchten die Aufgabe so zu lösen, dass sie die Matte einzurollen begannen und sich dann über die Rolle zur Mitte lehnten. Mir kam dann die Idee, aus den Eisenresten eine Pinsel- oder Armverlängerung zu basteln. Doch die Idee ist immer das eine, dann kommt der nächste Schritt, wie kommuniziere ich die Idee auf Indonesisch? Mit Zeigen und den Worten membuat (machen) tangan (Hand) besi (Eisen) wurde ich irgendwie verstanden. Zuerst war der Pinsel noch im falschen Winkel montiert, aber dann funktionierte es.
Was nicht funktionierte, war das Ignorieren von Xylamon. Kalut wollte wissen, ob wir die "obat" (Medizin) nicht verwenden. Und Wayan teilte mit, dass er Xylamon schon verwendet hat mittels Sprühflasche. In tiefstem Dilemma rückte ich meine Sprühflasche von ACE heraus und war dann zutiefst erleichtert, als es zu regnen begann und die ganze Streich- und Sprühaktion für heute beendet war.
Die Freuden und Lehren des Tages:
- Hilfe ist da, wenn ich darum bitte
- gute Vorbereitung bis ins Detail ist wichtig und vermeidet Stress
- unangenehmen Entscheidungen nicht ausweichen

Samstag, 13. Dezember 2008

Leben!

Geschichte aus Comfortable with Uncertainty von Pema Chödrön:

A woman is running from tigers. She runs and she runs, and the tigers are getting closer and closer. She comes to the edge of a cliff. She sees a vine there, so she climbs down and holds on to it. Then she looks down and sees that there are tigers below her as well. At the same time, she notices a little mouse gnawing away at the vine to which she is clinging. She also sees a beautiful little bunch of strawberries emerging from a nearby clump of grass. She looks up, she looks down, and she looks at the mouse. Then she picks a strawberry, pops it in her mouth, and enjoys it thoroughly.

Wie oft hetze ich von Tigern getrieben durch das Leben und sehe die Erdbeeren nicht.

Doch manchmal schau ich auch hin:

Der Schmetterling oder ist es ein Nachtfalter, den ich gestern noch herumflattern sah,
lag heute morgen tot auf dem Küchentisch.


Gestern noch auf dem Hochzeitsflug, heute morgen tot im Abwaschtrog.

musim hujan Regenzeit

Montag, 1. Dezember 2008

Von Bangkok nach Bali

Wollte Euch heute erzählen, wie ich von Bangkok nach Bali kam, nachdem der Flughafen in Bangkok 1 Tag vor meinem geplanten Abflug geschlossen wurde. Jetzt sind es schon 5 Seiten und das Ende ist noch nicht in Sicht. Zu lang für dieses Blog. Zu lang für heute. Hab mich dann gefragt, warum diese Geschichte so lang wird. Vielleicht weil mich dieses Erlebnis wachgerüttelt hat. Weil ich mich intensiv lebendig gefühlt habe auf dieser Reise. Weil jeder Moment ein farbiges Bild in meiner Erinnerung hinterlassen hat. Weil ich mich plötzlich mit wildfremden Menschen verbunden fühlte. Weil mir Menschen geholfen haben und ich Menschen helfen konnte mit einem Lächeln, mit Zuhören, mit einer Orange, mit einer Information, mit stiller Anteilnahme, mit einem liebevollen Blick. Weil mich Menschen mit ihrer Anteilnahme ermutigt und beschenkt haben. Weil ich soviel Glück habe.